Projektübergabe Thaddeus-Schule in Bhastara, Indien

Mit 45 Kindern im Kindergartenalter startete 2006 der Schulbetrieb der Thaddeus-Schule. Seither ist die Schule stark gewachsen, hat ein eigenes Schulhaus bekommen und unterrichtet rund 200 Kinder vom Kindergarten bis zur 10. Klasse. Per Ende 2025 übergibt Usthi das Projekt vollständig an die indische Partnerorganisation. Ein bedeutsamer Moment und ein guter Zeitpunkt, gemeinsam zurückzublicken.

Im Jahr 2006 öffnete die Thaddeus-Schule erstmals ihre Türen für 45 Kinder im Dorf Bhastara. Der Ort liegt rund 60km nördlich der Grossstadt Kolkata im Osten Indiens. Mit der Gründung der Thaddeus-Schule entstand hier die erste englischsprachige Schule in der stark landwirtschaftlich geprägten Gegend. Dahinter stand die Vision, den Kindern qualitativ hochwertige Bildung zu ermöglichen und somit vor Ort Zukunftsperspektiven zu schaffen und der meist aussichtslosen Abwanderung in die Grossstadt entgegenzuwirken.

Die Thaddeus Schule startete mit ein paar Dutzend Kleinkindern.

Gemeinsam mit einer indischen Partnerorganisation begann Usthi, den Schulbetrieb aufzubauen. Wegen der steigenden Schüler:innenzahlen wurden die gemieteten Räume bald zu eng und der Bau eines eigenen Schulgebäudes wurde angepackt. 2009 konnte die Schule in den zweistöckigen Neubau umziehen.

Die Schulgründung ermöglicht hat Thaddeus Getzmann, der gemeinsam mit seinem privaten Umfeld den Schulbetrieb seither finanziell gesichert hat. Mit dem Wunsch, eine Schule für armutsbetroffene Kinder in Indien aufzubauen, wandte er sich an Usthi-Gründer Kurt Bürki. Aus einer Vision entstand eine Schule. Und aus Thaddeus‘ ursprünglich zugesagten Verpflichtung für die Finanzierung des Schulbetriebs während der ersten fünf Jahre wuchs ein langjähriges Engagement für die Schule, deren Leitung, das Lehrer:innen-Team und die zahlreichen Schulkinder. Rund 20 Jahre lang finanzierte und begleitete Thaddeus die Schule – aus den regelmässigen Besuchen vor Ort entstanden enge Bekanntschaften.

Jeder Schulbesuch und jede Begegnung mit den Kindern ist für mich etwas Besonderes, auch nach fast 20 Jahren. Ich bin dankbar und stolz, dass wir zahlreichen Kindern eine gute Schulbildung ermöglicht haben.
Thaddeus Getzmann
Thaddeus Getzmann bei einem Schulbesuch

Die Thaddeus-Schule wächst zu einer lebendigen «Secondary School» heran

Was mit 45 Kleinkindern startete, ist heute zu einem lebendigen Schulbetrieb gewachsen. Im laufenden Schuljahr stemmen 13 Lehrpersonen und acht weitere Mitarbeitende den Unterricht mit 175 Schulkinder. Neben der Unterrichtssprache Englisch lernen die Kinder Hindi als nationale Amtssprache in Indien sowie Bengali, die meistgesprochene Sprache im Bundesstaat Westbengalen, zu dem das Dorf Bhastara gehört. Ein besonderes Highlight für die Kinder sind die Schulfeste zu ausgewählten Feiertagen. An den feierlichen Anlässen geben die Kinder kleine Theateraufführungen zum Besten und verarbeiten spielerisch Themen wie den Umgang mit Smartphones, einen Arztbesuch oder Szenen aus dem Alltag – was sowohl die Spielenden wie auch die Zuschauenden zum Schmunzeln bringt.

Im Jahr 2018 waren die allerersten Kinder der Thaddeus-Schule zu jungen Erwachsenen herangewachsen und verliessen die Schule mit bestandener Abschlussprüfung nach der 10. Klasse. Inzwischen haben viele Kinder ihren Schulabschluss gemacht und sind dank hochwertiger Bildung und insbesondere dank vertiefter Englischkenntnisse gut gerüstet in ihren nächsten Lebensabschnitt gestartet.

Ein neuer Abschnitt beginnt

Auch für die Thaddeus-Schule beginnt ab 2026 ein neuer Abschnitt. Usthi übergibt die Verantwortung für Finanzierung und Betrieb der Schule per Ende 2025 vollständig an die indische Partnerorganisation. Diese hat sich über die letzten Jahrzehnte weiterentwickelt und eigene Finanzierungsquellen erschlossen. Zudem kann seit einiger Zeit ein Teil der anfallenden Kosten der Thaddeus-Schule lokal gedeckt werden.

Die Projektübergabe der Thaddeus-Schule ist ein Abschied, aber gleichzeitig auch ein Zeichen des Vertrauens, dass die Schule in guten Händen ist und weiter wachsen kann.
Alessandra Grosse, Geschäftsleiterin der Stiftung Usthi

Die Projektübergabe wurde beim Schulbesuch im November feierlich begangen. Gemeinsam pflanzten Thaddeus Getzmann, sein Sohn Roger Getzmann, das Usthi-Team sowie Lehrer:innen und Schulkinder einen Chiku-Baum – ein Symbol für Verwurzelung genauso wie für Wachstum, Gesundheit und Fülle. So wie die Kinder, die zukünftig an dieser Schule heranwachsen werden, wird auch dieser Baum mit ihnen mitwachsen und in einigen Jahren süsse Früchte tragen. Mögen die vergangenen zwei Jahrzehnte des Aufbaus und der Weiterentwicklung der Thaddeus Schule auch in Zukunft als fruchtbarer Boden dienen.

Gemeinsam pflanzten wir einen Chiku-Baum.

Für Usthi markiert die Projektübergabe der Thaddeus-Schule auch den Abschluss der Zusammenarbeit mit der verantwortlichen indischen Partnerorganisation.

Besuch der Botschaftsdelegation in der Penthakata-Schule

Botschafterin Tissafi zu Besuch bei Usthi

Dreieinhalb Tage voller Begegnungen, Eindrücke und echter Herzensmomente im indischen Bundesstaat Odisha liegen hinter uns. Wir sind geehrt und dankbar für den Besuch von Maya Tissafi, Botschafterin der Schweiz in Indien und Bhutan, und Simon Schäfer, erster Sekretär der Schweizer Botschaft in Neu-Delhi. Die Delegation besichtigte gemeinsam mit Usthi-Gründer Kurt Bürki und Stiftungsrat Daniel Kempter […]

«Ich habe jetzt das Gefühl, wieder träumen zu können.»

Trotz wachsender Wirtschaft stellt die Existenzsicherung viele Familien in Indien vor eine grosse Herausforderung. Der Grossteil der Inder:innen arbeitet auf dem informellen Arbeitsmarkt, meist ohne Sozialversicherungen oder Arbeitsverträge und oft unter prekären Arbeitsbedingungen. Der Zugang zum Arbeitsmarkt sowie zu fair bezahlten Jobs ist von eklatanten Ungleichheiten geprägt: Insbesondere Frauen arbeiten in schlecht bezahlten (Gelegenheits-)Jobs, beispielsweise […]

3 Mädchen spielen die Trommel und lachen.

Inklusive Bildung und ganzheitliche Förderung

In der abgelegenen Region Dhading sind die Schulwege lang und beschwerlich. Viele Kinder laufen mehrere Stunden zu Fuss, um am Unterricht teilzunehmen. Für Kinder mit Sehbehinderung ein unmögliches Unterfangen. Deshalb wohnen über 20 Kinder mit Sehbehinderung in einem Wohnheim auf dem Campus einer der Projektschulen im Distrikt Dhading, um dort die Schule besuchen zu können. […]